Hinweise und Impulse zur Feier von unter Auflagen öffentlich zugänglichen Eucharistiefeiern

Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Fulda!


In diesen Wochen zeigt sich sehr deutlich: Die Coronakrise wird uns noch über sehr lange Zeit begleiten. Für viele Menschen ist dies eine existenzielle Herausforderung. Mit ihren Vorerkrankungen oder aufgrund ihres Alters gehören sie zur sogenannten Risiko-gruppe. Andere fürchten um ihren Arbeitsplatz, sind in Kurzarbeit oder haben die Arbeit bereits verloren. Viele sind durch Homeoffice, ausfallende Kinderbetreuung oder zunehmende Spannungen im familiären Bereich herausgefordert. Wieder andere sind als Unternehmer extrem unter Druck. Besonders gefährdet sind Menschen ohne festen Wohnsitz und Menschen auf der Flucht. Mit großer Sorge schauen wir auf die Länder mit ho-her Armutsrate und großen Lücken in der Gesundheitsversorgung. Auch für sie tragen wir als Kirche Mitverantwortung, was sich vor allem im Engagement unserer Hilfswerke zeigt. „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ Was das Zweite Vatikanische Konzil als den Anfang seiner Pastoralkonstitution formuliert, will die Grundmelodie jeder christlichen Existenz sein. Insofern ist das, was wir in diesen Wochen erleben, bei aller Dramatik auch eine Einladung, neu in eine Schule des Hörens, des Sehens und des Fühlens zu gehen.


Angesichts aller Grenzen, die wir derzeit erfahren, bin ich zusammen mit vielen Menschen sehr dankbar für die Kreativität und das Engagement, das sich in diesem Frühjahr zeigt: Nachbarschaftliche Hilfe, Gabenzäune, Briefe an Vereinsamte, Gebetszeiten in Häusern, Beziehungspflege via Internet, neue Formate der Verkündigung und des Gebetes und vieles mehr. Was hier erfahrbar wird von Mensch zu Mensch, das zeigt sich als ein Reichtum, der auch weit über die Krise hinaus Relevanz hat. Diese Schätze gilt es zu würdigen und miteinander zu überlegen, wie sie dauerhaft unsere Gesellschaft und unsere Kirche bereichern können. Ich trete sehr dafür ein, diese neu entdeckten Formen der Pastoral auch weiterhin zu pflegen, wenn sich gezeigt hat, dass sie Menschen „trotz allem“ intensiv mit dem Gott des Lebens in Kontakt gebracht haben.


Nun stehen wir vor der Situation, in einigen Tagen wieder in eingeschränktem Maße öffentlich zugängliche Gottesdienste zu ermöglichen. Das bislang bestehende Verbot hat bei Gläubigen sowohl Verständnis als auch Kritik ausgelöst. Ich bin sehr dankbar, dass es nun – bei allen Fragen, die bleiben – gelungen ist, zusammen mit der hessischen und der thüringischen Landesregierung einen Weg der vorsichtigen Öffnung zu finden. Die Gespräche in den vergangenen Tagen auf Regierungsebene waren von wechselseitigem Verständnis und Vertrauen sowie von Umsicht und großer Sensibilität für die Belange des kirchlichen Lebens geprägt. Die Verantwortung für alle Beteiligten ist sehr hoch. Sowohl die allgemeinen Regelungen als auch das Verhalten der Einzelnen haben Auswirkungen auf das Wohl Dritter und das Gemeinwohl. Weiterhin besonders betroffen sind all jene, die zu den sogenannten Risikogruppen gehören.


Viele von uns haben erlebt, was es bedeutet, über Wochen und insbesondere über das Osterfest hinweg keine Gottesdienste besuchen zu können. Der Schmerz kann auch verstanden werden als Hinweis darauf, wie wertvoll das ist, was uns jetzt fehlt. Andere haben die Sorge: Wie wird das jetzt, wenn einige von uns in die Kirche zum Gottesdienst können und andere nicht? Was löst das bei denen aus, für die ein Gottesdienstbesuch gesundheitlich zu riskant ist oder die wegen der begrenzten Zahl der Mitfeiernden keinen Zutritt haben? Wir ahnen die Spannungen, die mit einer eingeschränkten Öffnung verbunden sein können. Wir haben – wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen auch – die Sorge, dass die Solidarität, die wir in den letzten Wochen erfahren haben, jetzt wieder auseinanderbrechen könnte. Denn Krisen können Solidarität fördern, genauso aber auch Zentrifugalkräfte verstärken. Beides erleben wir aktuell gleichzeitig.


Hier sind wir als Kirche in besonderer Weise gefordert. So betont das Zweite Vatikanische Konzil: „Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit.“ Auch wo uns der unmittelbare Zugang zu den Sakramenten fehlt, sind wir berufen, die Kirche als Sakrament der Gegenwart Gottes in dieser Welt zu leben. Nicht zuletzt bezeugen wir die Gegenwart da, wo wir in einer Haltung der Solidarität mit den aktuellen Herausforderungen umgehen.



Wir stehen mitten in der Osterzeit. Die Evangelien erzählen von der Begegnung mit dem Auferstandenen beim Brotbrechen und Mahlhalten. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns der Herr in unserer jetzigen Situation, die uns alle stark herausfordert, auf ungewohnte, radikal neue Weise sein Mahl bereiten möchte. An jenem nachösterlichen Morgen, als der Auferstandene am See erschienen ist, ist ER zunächst aufmerksam für die leeren Netze der Fischer und lädt sie wenig später ein, ihre Fische mit zum Mahl zu bringen (vgl. Joh 21,5-10). Ich glaube, dass das, was wir in diesen Wochen an Mangel und an Reichtum erfahren, unverzichtbar ist an seinem Tisch und für das Leben der Kirche. Feiern wir so in einer erneuerten Haltung Eucharistie – ob in der Kirche oder in der Mitfeier via Livestream von zuhause aus. Fragen wir uns an beiden Orten:


• Wessen konkrete Not berührt mich im Herzen und welche Folgen hat das für mich?


• Für welche Gaben, für welche Initiativen in diesen Tagen will ich dem Herrn danken?


• Mit wem teile ich ganz konkret Zeit, Aufmerksamkeit, materielle Hilfe, Gebet?


• Gibt es jemanden, dem ich möglicherweise den Vortritt lassen sollte bei der Feier der Eucharistie – angesichts begrenzter Platzkontingente?


• Wie zeige ich meine Solidarität mit jenen, die nicht zur Kirche kommen können?


• Wie konkretisiert sich meine Gottesdienstgemeinschaft, ohne gemeinsam in der Bank sitzen zu können?


Ich hoffe und bete dafür, dass uns als Kirche ein Weg der Solidarität gelingt zwischen jenen, die in den Kirchen feiern, und jenen, die von zuhause aus mitfeiern. Seien wir solidarisch gerade auch mit jenen, denen unsere Glaubensfragen fremd sind und die möglicherweise mit sehr existenziellen Herausforderungen zu ringen haben.


Ich danke allen, den Priestern, Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen, die dafür sorgen, dass die Feier der Eucharistie und dass die Vielfalt gottesdienstlicher Feiern in diesen Wochen möglich ist – und dass unser gottesdienstliches Leben mit der Sorgen um unseren Nächsten verbunden bleibt.


Ich bitte all jene, die jetzt in unsere Kirchen kommen, sowie diejenigen, die es noch nicht können, um ein weites Herz, um Nachsicht, Verständnis und Geduld angesichts der Herausforderungen. Ganz besonders aber schließen wir jene ins Gebet ein, die Gründe haben, auch weiterhin nicht in unsere Kirchen zu kommen und die darunter leiden.


„Empfangt, was ihr seid: Leib Christi“, so sagt es der Heilige Augustinus. Wir dürfen hoffen, dass der Herr selbst uns in diesen Wochen und Monaten als Kirche formt zu dem, was wir ersehnen. Ein Gedicht eines jungen Salesianers in Sannerz hat mich in diesen Tagen sehr berührt.


Eucharistie
das ist das Wesen
des Christseins
das heißt eintauchen
in das
Geheimnis
der Liebe, die Mensch wird
zusammen
mit Christus
Brot
werden
für die Welt
für die Hungrigsten und Schwächsten

(Josua Schwab SDB)

So grüße ich Sie, im Gebet verbunden,


Ihr
Dr. Michael Gerber
Bischof von Fulda

 
01. Mai 2020
 

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