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Gemeindeleben
Senioren unterwegs in Bayerisch Schwaben
Aus dem Tagebuch eines Teilnehmers
Augsburg, mit seiner über 2000-jährigen Vergangenheit, gehört neben Trier und Kempten zu den drei ältesten Städten Deutschlands. Diese Römergründung im Jahr 15 v. Chr., am Zusammenfluss von Lech und Wertach, spielte insbes. im Zeitalter der Renaissance, des Rokoko und der Industrialisierung eine bedeutende Rolle. Auch die Reformation hinterließ in Augsburg markante Spuren. Im Jahr 1518 kam Martin Luther nach Augsburg, um sich wegen seiner Thesen einem Verhör zu unterziehen. 1530 wurde Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Augsburg das von Melanchton verfasste Augsburger Bekenntnis -die Confessio Augustana- vorgelegt, auf deren Grundlage es im Jahr 1555 zum Augsburger Religionsfrieden kommt, der den Protestanten erstmalig Religionsfreiheit gewährt. Der Handelsherr Jakob Fugger, der Komponist Leopold Mozart und der Schriftsteller Bett Brecht sind berühmte Söhne dieser Stadt.
Und in diese Stadt, mit rd. 260.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Bayerns, führte uns die diesjährige "Freizeit - nicht nur für Senioren", zu der die Katholische Kirchengemeinde St. Crescentius Naumburg gemeinsam mit dem Pfarrverbund St. Heimerad Wolfhager Land eingeladen hatte.
Wir, das waren 30 Senioren aus Naumburg und den benachbarten Gemeinden, hatten uns dort für elf Tage im Haus Sankt Ulrich,dem Tagungs- und Seelsorgezentrum der Diözese Augsburg "eingemietet". Wir waren gespannt auf Augsburg und sehenswerte Ziele in der Nachbarschaft. Das Fazit vorweggenommen: Wir wurden nicht enttäuscht!
Bei der Anfahrt verließen wir bei Aalen die Autobahn, für eine Mittagspause, aber auch, um in Nereshelin die Abteikirche des dortigen Benediktinerklosters zu besichtigen, die zu den reifsten Werken des genialen Barockbaumeisters Balthasar Neumann gehört. Von 1747 bis 1775 wurde diese Kirche nach den Plänen Balthasar Neumanns errichtet und von Martin Knoller mit sieben prachtvollen Kuppelfresken ausgemalt. Die barocke Pracht dieser Kirche war bestens geeignet, uns auf die kommenden Tage, für die mehrere Wallfahrtskirchen auf dem Programm standen, ein zu stimmen.
Ohne zeitliche Verzögerung erreichten wir am Nachmittag unser Ziel. Dort erwarteten uns im Haus Sankt Ulrich modern eingerichtete Gästezimmer, ein großes Hallenbad und freundliches Personal. Allein durch seine besondere Lage, mitten in Augsburgs historischer Altstadt, hat dieses Haus eine besondere Note. Mit der Basilika St. Ulrich und Afra und der evangelischen St. Ulrichs-Kirche bildet es eine architektonische Einheit. Am Beginn der Maximilianstraße, einer der Prachtstraßen Deutschlands gelegen, ist dieses Haus ideal für einen erlebnisreichen Urlaub.
Einen ausführlichen Überblick über Augsburg konnten wir bei einer Stadtrundfahrt, kombiniert mit einem Stadtrundgang gewinnen. Hauptpunkte waren dabei das 1615 - 20 von Elias Holl im Stil der italienischen Renaissance errichtete Rathaus mit dem Goldenen Saal, der Fugger - Stadtpalast und die weltbekannte Fuggerei.
Das Rathaus zählt zu den markantesten Gebäuden dieser Art in Deutschland Die Innenausstattung wurde im 2. Weltkrieg total zerstört. Der kunsthistorisch bedeutsame "Goldene Saal" wurde in den Jahren 1978 - 85 originalgetreu rekonstruiert.
Als "Stadt in der Stadt" wird die Fuggerei bezeichnet, die auch heute noch von der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftung verwaltet wird. Jakob Fugger, genannt "der Reiche" gründete 1521 mit seinen Brüdern die älteste Sozialsiedlung der Welt für bedürftige, schuldlos in Not geratene katholische Augsburger Bürger und Einwohner. Sie umfasst 67 Häuser mit 140 Wohnungen, eine Kirche und einen Brunnen. Jahresmiete ist noch heute ein rheinischer Gulden, das entspricht 0,88 €. Zur Hausordnung gehört noch immer die Verpflichtung des täglichen Gebets für die Stifter.
Eine weitere Führung hatten wir im Dom St. Maria, der in seinen ältesten Bauteilen auf das 10. Jh. zurückgeht. Die fünf sogen. "Prophetenfenster" an der Südseite (etwa 1140) zählen zu den ältesten figürlichen Glasmalereien Deutschlands. In dem an den Dom angrenzenden Diözesanmuseum sahen wir viele Exponate aus der reichen Geschichte Augsburgs.
Mit einer Führung in der an das Haus St. Ulrich angrenzenden Basilika St. Ulrich und Afra erfuhren wir mehr über die sehr frühe Geschichte des Christentums in und um Augsburg. In dieser Basilika werden die Patrone der Stadt Augsburg, die HI. Afra und der HL Ulrich sowie der Hl. Simpert verehrt. Die HL Afra starb 304 während der Christenverfolgung unter Diokletian auf einer Lechinsel bei Augsburg den Feuertod. Der Hl. Simpert + 13.10.807) war seit 792 Bischof von Augsburg.
Der HL Ulrich (geb. 890 zu Augsburg) war ab 923 Bischof von Augsburg. Bei der Schlacht auf dem Lechfeld am 10.8.955 verhalf er Kaiser Otto I. zum Sieg über die Ungarn.
Bei mehreren Nachmittagsausflugsfahrten lernten wir schwäbischen Barock in vielen Variationen kennen. So in den Wallfahrtskirchen St. Michael in Violau, St. Thelda in Weiden, in Maria Vesperbild, der Prämonstratenserabtei Roggenburg, in Maria Birnbaum und dem Kloster Altomünster, dem einzigen Kloster des Birgittinenordens in Deutschland. Den Abschluss bildete eine Fahrt nach Fürstenfeldbruck mit der monumentalen Klosterkirche der ehem. Zisterzienserabtei Fürstenfeld. Nicht nur die barocke Pracht dieser Wallfahrtskirchen versetzte uns in Staunen, sondern ab und zu auch die für uns etwas gewöhnungsbedürftige bayerisch-schwäbische Volksfrömmigkeit.
Für die mehr an Technik Interessierten war ein Besuch -verbunden mit einer Werksführung- in der Maschinenfabrik Grenzebach in Harniar bei Donauwörth vorgesehen. Der Vater des jetzigen Seniorchefs der Firma, war 1907 mit seinen Eltern und Geschwistern aus Naumburg nach Bayern "ausgewandert". Sie hatten dort zunächst einen landwirtschaftlichen Betrieb übernommen und 1922 eine Reparaturwerkstätte für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte errichtet. Rudolf Grenzebach übernahm 1960 diese Werkstätte und entwickelte daraus die Maschinenfabrik, die mit heute über 1.500 Mitarbeitern (davon rd. 500 in Hamlar) weltweit tätig ist.
Fertigungsbetriebe befinden sich außer in Hamlar noch in Bad Hersfeld, Newnan (USA), Shanghai (China) sowie in Jiashan (Indien), Vertretungen und Stützpunkte in zahlreichen Ländern Europas, Amerikas und Asiens.
Grenzebach plant, fertigt und liefert komplette Anlagen und Einzelteile für die Herstellung und Bearbeitung von Flachglas und Baustoffplatten, für die Verarbeitung von Rohgips zur fertigen Gipsbauplatte sowie Messermaschinen und Trockner für Furniere. Weitere Bereiche sind Fertigungstechnik für Displayglas unter Reinraumbedingungen, Technologie für Dünnschicht-Photovoltaikmodule, Verfahrenstechnik und Automatisierungssysteme für verschiedene Industriebereiche sowie Gepäckhandling für Flughäfen.
Nach einer Begrüßung durch die Tochter des Firmenchefs Rudolf Grenzebach (der selbst in Urlaub war), nahmen wir an einer Werksführung teil. Erstaunt waren wir über die Vielseitigkeit des Betriebes und die modernen Fertigungseinrichtungen.
Besonders erfreut waren wir darüber, dass Stadtpfarrer i.R. Ulrich Trzeciok mehrere Tage bei uns verbrachte. Am Tag vor der Heimfahrt feierten wir mit ihm in der Hauskapelle von Sankt Ulrich einen Abschlussgottesdienst.
Für die reichlich bemessene freie Zeit bot das Haus Sankt Ulrich genügend Möglichkeiten. Die Schwimmhalle wurde eifrig genutzt. Ansonsten boten Spiele und Singerunden Abwechslung. Die nahe Innenstadt verführte immer wieder zu "Shoppingtouren" oder auch zur Vertiefung des bei Besichtigungen bereits Gesehenen. Die Küche des Hauses ließ mit vielerlei schwäbischen Spezialitäten keine Wünsche offen. Das Hauspersonal war freundlich und hilfsbereit. Das Wetter war - nach den heißen Wochen vorher - erträglich. Das alles trug dazu bei, dass alle Teilnehmerfirmen mit dem Verlauf voll und ganz zufrieden waren und sich schon wieder auf eine "Fortsetzung" im nächsten Jahr freuen.
Orgelspende St. Elisabeth
Liebe Mitglieder der Pfarrgemeinde St. Crescentius. Wir wenden uns mit einer besonderen Bitte an Sie.







